Jura studieren

Das Jura-Studium – Die Note macht den Unterschied

Der tägliche Kampf gegen den Bücherberg: Wer Rechtswissenschaften studieren will, sollte darauf gefasst sein, was auf ihn zukommt – ellenlange Hausarbeiten, trockene Paragrafen, viel Plackerei und schwerste Prüfungen. Doch wer am Ende das Examen in Händen hält, kann mit Fug und Recht von sich behaupten, einen der schwierigsten Studiengänge überhaupt gemeistert zu haben.

Was genau macht eigentlich ein Jurist?

"Wenn der Jurist wissen will, was ein Baum ist, schaut er ins Gesetz", heißt es zwar scherzhaft, aber nicht ohne Berechtigung. Denn in der Tat gibt es simple Konstanten im beruflichen Leben von Rechtswissenschaftlern. Im Grunde geht es stets darum, einen Sachverhalt anhand des dafür vorliegenden Gesetzesrahmens entweder im Vorfeld – beispielsweise per Vertrag – oder im Nachhinein – beispielsweise per Rechtsprechung – einzuordnen und abschließend zu bewerten.

Anwenden lässt sich dieser Grundsatz auf die unterschiedlichsten Fragestellungen des Genres:

  • Im Strafrecht, beispielsweise bei Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und im schlechtesten Falle Mord oder Totschlag.
  • Im Zivilrecht, beispielsweise bei Familien- und Scheidungsangelegenheiten, Erbfragen sowie finanziellen oder nachbarschaftlichen Streitfällen.
  • Im Öffentlichen Recht, beispielsweise bei Völkerrechtsfragen, Umweltschutzangelegenheiten oder länderübergreifenden Streitfällen (Seerecht, Weltraumrecht)

Was wartet im Jura-Studium?

Ziel des Studiums ist zunächst das allgemeine Verstehen der Rechtsgrundlagen. Da sich Gesetze und Rechtsvorschriften meist einer sehr abstrakten und verklausulierten Sprache bedienen, lernt man den Umgang mit dieser Sprache. Um Gesetze nicht nur lesen, sondern – im nächsten Schritt – auch anwenden zu können, müssen Juristen darin geübt sein, abstrakte Formulierungen mit Inhalt zu füllen.

Diese Arbeit beginnt damit, bestimmte Begrifflichkeiten exakt zu definieren. Führt eine Definition nicht weiter, muss der Begriff ausgelegt werden. Den objektiv richtigen Weg gibt es dabei mitnichten, weshalb Juristen auch die argumentative Auseinandersetzung beherrschen sollten. Argumentieren, hinterfragen und nach Lösungen suchen, die rechtlich vertretbar sind, lautet stets die Devise.

Das Jurastudium setzt sich aus folgenden sechs Bereichen zusammen:

  • Pflichtfachstudium (Zivilrecht, Öffentliches Recht, Strafrecht)
  • Grundlagenstudium (Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie)
  • Schwerpunktstudium (individuelle Spezialisierung)
  • Fachbezogene Fremdsprachenausbildung (Einblick in ausländische Rechtsordnungen)
  • Schlüsselqualifikationen (Rhetorik, Vernehmung, Mediation, Verhandlungsführung)
  • Praktikum (mindestens 3 Monate)

WICHTIG: Während des Studiums sind viel Fleiß, Selbstdisziplin und der unbedingte Wille gefordert, das gesteckte Ziel erreichen zu wollen. Dieses Ziel bleibt einstweilen das Examen, denn die Justizministerkonferenz spricht sich seit Jahren vehement gegen eine Umstellung auf die ansonsten übliche Bachelor-Master-Struktur aus.

Auch das Prüfungswesen hat so seine Tücken: Letztlich entscheidet einzig und alleine das Examen (zusammen mit dem zweiten Examen nach dem Referendariat) über die beruflichen Perspektiven. Die im Studium erbrachten Leistungen – letztlich die gesamten vorangegangenen Jahre – bleiben hier weitgehend unberücksichtigt.

Was solltest du mitbringen?

Die Fähigkeit, sich mündlich und schriftlich verständlich zu äußern und Gedanken strukturiert wiederzugeben, ist unabdingbar. Wer hier in der Schule so seine Probleme hatte, wird es im Jura-Studium erst recht schwer haben. Hinzu kommt der unbedingte Wille, präzise und detailgenau zu arbeiten. Rhetorisches Geschick und die Fähigkeit, argumentative Konflikte auszuhalten bzw. hier nicht von der eigenen Denkmaxime abzuweichen, gehören ebenfalls zum Rüstzeug guter Juristen – flankiert durch Abstraktionsfähigkeit, da sich viele Gesetze nicht eins zu eins auf individuelle Gegebenheiten und Charakteristika anwenden lassen.

Der Gang zum Repetitor

Wenn Studierende an der Fülle des Stoffes zu verzweifeln drohen, treten kommerzielle Repetitorien auf den Plan. Als private Unternehmen bieten sie einjährige Crash-Kurse an, in denen das examensrelevante Wissen vermittelt wird. Und das Geschäft mit der Examensangst zahlt sich aus: Bis zu 90 Prozent der Jura-Studierenden besuchen ein Repetitorium. Die Kosten variieren pro Anbieter, können sich aber auf gut und gerne 150 Euro pro Monat belaufen. Im Preis enthalten sind Kursmaterialien wie Probeklausuren und Skripte.

Der Umstand, dass der Weg zum „Rep“ de facto die Norm darstellt, führt dazu, dass viele Studenten ein Examen ohne Repetitorium für unmöglich halten. Daher gilt: Wer das Repetitorium umgeht, geht bei seinen Kommilitonen entweder als ziemlich mutig oder als ziemlich verrückt durch. Klar ist auch, dass die daraus folgende Privatisierung der Lehre zu einer erheblichen finanziellen Belastung der Studierenden führt.

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