Praktikum? Nein, danke! 8 Argumente für einen Nebenjob mit Fachbezug
- Kategorie
- Study
- Autor:in
- jobmensa Redaktion
- Aktualisiert am
- Lesezeit
- 4 Min. Lesezeit

Kurzgesagt
Der Artikel präsentiert den fachbezogenen Nebenjob als überlegene Alternative zum klassischen Praktikum oder zu fachfremden Aushilfsjobs. Die Vorteile sind vielfältig: Neben einer deutlich besseren Bezahlung (ca. 14 % mehr als bei fachfremden Tätigkeiten) bieten diese Jobs wertvolle Anschlussperspektiven für den späteren Berufseinstieg. Studierende profitieren zudem von einer höheren zeitlichen Flexibilität, die sich besser mit dem Stundenplan vereinbaren lässt als ein 40-Stunden-Praktikum. Besonders hervorgehoben wird der psychologische Effekt: Fachnahes Arbeiten steigert das Selbstwertgefühl und die fachliche Kompetenz, da den Studierenden mehr Verantwortung übertragen wird.
- Finanzieller Vorsprung und Unabhängigkeit: Fachbezogene Tätigkeiten garantieren einen höheren Stundenlohn, was die finanzielle Freiheit erhöht und die Abhängigkeit von Eltern oder Krediten verringert.
- Brücke zum ersten „echten“ Job: Jeder vierte Studierende in einem fachnahen Job führt bereits während des Studiums Gespräche über eine spätere Übernahme nach dem Abschluss.
- Qualität der Arbeitserfahrung: Im Gegensatz zur oft monotonen „Beschäftigungstherapie“ in Praktika fördern Fachjobs durch echte Projektverantwortung den tatsächlichen Kenntnisgewinn.
Jetzt mal ehrlich: Wer von euch hat sich als Praktikant*in schonmal bei dem Gefühl ertappt, für gute Arbeit gutes Geld verdient zu haben? Oder bei dem Gefühl, eine nicht nur charakterlich, sondern auch fachlich anerkannte Arbeitskraft (gewesen) zu sein? Zuständig nicht nur für einfache Dienste, sondern ausgestattet mit Entscheidungsfreiheiten und einem gesunden Maß an Verantwortung…
Nun, das allgemeine Meinungsbild hierzu dürfte nicht eben dazu taugen, das traditionell angekratzte Image des Praktikums zu verbessern. Aber da platte Stänkerei auch keine Lösung ist, wollen wir heute mal den Blick auf eine lohnenswerte Alternative zu (freiwilligen) Praktika und planlosem Jobben schärfen – Nebenjobs mit Fachbezug zum Studium. Dabei stützen wir uns einmal mehr auf aktuelle Ergebnisse aus unseren bundesweiten Befragungen zur Studienreihe „Fachkraft 2020“.
1. Bezahlung
Wer als Student*in fachbezogen arbeitet, verdient pro Stunde erheblich mehr als Kommiliton*innen mit einer fachfremden Tätigkeit. Bemerkbar macht sich das wie folgt: Jobs mit Fachbezug brachten Studierenden im Sommersemester 2013 im Durchschnitt einen Stundenlohn von 9,57 Euro ein, fachfremde Tätigkeiten hingegen nur 8,40 Euro (= 14 % Lohnunterschied). Freilich können freiwillige Praktika in finanzieller Hinsicht weder hier noch da mithalten.

2. Anschlussperspektive
Unsere Befragung zur Studie Fachkraft 2020 hat ergeben, dass Studierende mit einem fachbezogenen Nebenjob in immerhin 25 Prozent der Fälle bereits ein berufliches Perspektivgespräch mit dem/der jeweiligen Chef*in geführt haben. Heißt: Interesse an einer Vertiefung der Zusammenarbeit ist auf Seiten der Arbeitgeber*innen im Regelfall vorhanden – Rückkehr als Absolvent*in möglich. Ein nettes Gefühl, das im Praktikum im Grunde undenkbar ist!
3. Zeitbudget
Vielen Studierenden fehlt heute schlichtweg die Zeit, um ein freiwilliges Praktikum in Vollzeit (40 h/Woche) zu absolvieren – selbst wenn es sich hierbei um eine bezahlte Tätigkeit handeln sollte. Glücklicherweise kann der Nebenjob mit Fachbezug zum Studium auch hier die Lösung sein, denn er ist im Regelfall frei verhandelbar: (1) Laut Studie wollen Studierende idealerweise 13 Stunden pro Woche arbeiten, und zwar (2) flexibel einteilbar, gemäß Stundenplan. Heißt: Starre zeitliche Vorgaben wie bei den meisten Praktika passen heute nicht mehr ins Bild.
4. Unabhängigkeit
Mehrverdienst bedeutet zugleich Unabhängigkeit – von Eltern und Studienkrediten aller Art. Und genau dies garantiert der Nebenjob mit Fachbezug. Analog dazu ist laut unserer Studie der Wunsch, sich „etwas leisten zu können“, das stärkste studentische Motiv fürs Jobben (80 %), weit vor Aspekten wie „berufliche Kontakte knüpfen“ (50 %), „Spaß haben“ (37 %) oder gar „mangelnde Auslastung“ (8 %). Finanzielle Unabhängigkeit ist eben nicht nur gut für die Abendgestaltung, sondern auch gut für den Kopf.
5. Selbstwertgefühl
60 Prozent der Studierenden mit einem fachbezogenen Job sehen sich gegenüber Mitbewerber*innen ohne vergleichbare Arbeitserfahrung beim späteren beruflichen Einstieg deutlich im Vorteil. Dagegen sind Studierende mit fachfremden Tätigkeiten nur in 27 Prozent der Fälle davon überzeugt, im Werben um die besten Einstiegsjobs die Nase vorn zu haben. Damit ist festzuhalten: Fachbezogenes Jobben lässt Studierende deutlich gelassener und selbstbewusster in die berufliche Zukunft blicken.
6. Kenntnisgewinn
Man muss es leider mal so deutlich sagen: Viele Praktika sind unter der Rubrik „Beschäftigungstherapie“ zu verbuchen – einfachste Tätigkeiten, Monotonie im Arbeitsablauf, wenig bis gar keine Verantwortung. Lernt man so dazu? Fürs Leben und den späteren Job? In einem gut bezahlten Nebenjob mit Fachbezug zum Studium ist das (zum Glück) ganz anders. Heißt: Die Erwartungshaltung an den/die Arbeitnehmer*in ist automatisch eine andere als im Praktikum. Man erwirbt Zuständigkeit für ein Projekt oder zumindest einen Teilbereich dessen. Keine Arbeit nach Vorgabe, sondern Machen ist angesagt! Und das Gute daran: Ein aussagekräftiges Arbeitszeugnis steht einem auch im fachnahen Nebenjob zu.
7. Sozialversicherung
Da sowohl Praktika als auch Nebenjobs bei Studierenden häufig im Bereich eines Mini- oder Midijobs anzusiedeln sind, entfallen auf die Arbeitnehmer*innen hüben wie drüben keine oder allenfalls eingeschränkte Zahlungen in das Sozialversicherungssystem. Natürlich gibt es Verdienstgrenzen für BAFöG-Empfänger*innen und arbeitszeitliche Dinge zu beachten, aber ansonsten gilt: Auch mit Blick auf die Abgabenseite hat man als in Teilzeit beschäftigte*r Student*in im Nebenjob nichts Negatives zu erwarten. Anders ausgedrückt: Viel Netto vom Brutto.
8. Statistik
Laut unserer Studie können aktuell lediglich 30 Prozent der arbeitenden Studierenden von sich behaupten, im Job inhaltliche/fachliche Nähe zum Studium vorzufinden. Dem gegenüber stehen jedoch 90 Prozent, die fachbezogenes Jobben für erstrebenswert und perspektivisch wichtig halten.
Heißt: Es herrscht großer Bedarf an Jobgelegenheiten, in denen Geldverdienst auf Basis angewandter Studieninhalte ermöglicht wird. Jobmensa arbeitet daher mit Nachdruck daran, solche Nebenjobs mit Fachbezug bei Arbeitgeber*innen immer attraktiver zu machen.
Spannendes zu Prüfungsangst – Faktoren und Lösungen

Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ära des „Praktikums um jeden Preis“ ein Ende finden sollte. Die Daten zeigen deutlich, dass ein fachbezogener Nebenjob nicht nur das Bankkonto schont, sondern auch das Fundament für eine selbstbewusste Karriere legt. Wer frühzeitig Verantwortung übernimmt und sein theoretisches Wissen in der Praxis anwendet – und dafür fair entlohnt wird –, startet mit einem massiven Vorsprung in den Arbeitsmarkt. Es lohnt sich also, bei der Jobsuche gezielt nach inhaltlicher Nähe zum Studium zu suchen, statt sich mit Planlosigkeit oder Unterforderung zufrieden zu geben.
Häufige Fragen
Verdiene ich in einem fachbezogenen Job wirklich mehr?
Ja, laut der Studie „Fachkraft 2020“ lag der Stundenlohn für fachnahe Jobs im Schnitt 14 % über dem von fachfremden Tätigkeiten (z. B. Kellnern oder Regalauffüllen).
Ist ein fachnaher Nebenjob zeitlich flexibler als ein Praktikum?
Absolut. Während Praktika meist Vollzeitpräsenz fordern, sind Nebenjobs oft auf ca. 13 Stunden pro Woche ausgelegt und lassen sich flexibel um den Vorlesungsplan herum organisieren.
Habe ich im Nebenjob auch Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Ja. Auch bei einer Werkstudententätigkeit oder einem fachnahen Nebenjob hast du Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, das deine Aufgaben und Leistungen detailliert beschreibt.
Wie wirkt sich der Job auf meine Sozialversicherung aus?
Studierende profitieren hier oft vom Werkstudentenprivileg. Bei einer Arbeitszeit von maximal 20 Stunden pro Woche während des Semesters fallen meist nur Beiträge zur Rentenversicherung an – das bedeutet „viel Netto vom Brutto“.
Wie viele Studierende arbeiten bereits fachbezogen?
Aktuell finden nur etwa 30 % der arbeitenden Studierenden eine Stelle mit direktem Bezug zu ihrem Studium, obwohl sich 90 % eine solche Tätigkeit wünschen.


