Keine Chancengleichheit ohne Geschlechtergerechtigkeit?

01.10.2021

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Author: Chiara
Autor*inChiara
Quote Geschlechtergerechtigkeit

Larissa Fuchs im Campus Talk: Teil 1

Das Recht auf die Gleichstellung von Frauen und Männern existiert bereits seit 1949 durch das Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik. Die noch nicht erreichte Geschlechtergleichheit sorgt für eine nicht bestehende Chancengleichheit. Viele Frauen befürchten, beispielsweise hinsichtlich der Inanspruchnahme von Elternzeit, Nachteile und Diskriminierung in der Karriere.

Für Student*innen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen in ihrer beruflichen Zukunft eine solche Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft oder sexueller Orientierung  widerfährt, leider nach wie vor sehr hoch.

Im Rahmen unserer Studienreihe Fachkraft 2030 haben wir circa 12.000 Studierende zum Thema Chancengleichheit befragt. Die Ergebnisse dazu findet ihr in unserem Whitepaper.

Auch die 29-jährige Larissa Fuchs forscht im Rahmen des FAIR-Projekts zum Thema Chancengleichheit. Ob sie selbst befürchtet, Diskriminierung zu erleben und warum sie der Ansicht ist, dass man diese in manchen Fällen auch für sich nutzen kann, erfahrt ihr hier!

Wer ist eigentlich Larissa Fuchs?

Larissa Fuchs lächelt in Richtung des Betrachters

Nach dem Abschluss ihres Bachelor-Studiums in Wirtschaftswissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt sowie dem darauffolgenden Master im Bereich VWL in Bonn war sie zunächst ein Jahr in der Beratung tätig und stieg anschließend in die Promotion ein.

Für die Zukunft hat Larissa Fuchs viele Ideen: Nach Beendigung ihrer Promotion wäre sie gerne in der Forschung tätig, aber kann sich auch vorstellen zu lehren. Ebenso zieht sie eine andere Position im akademischen Sektor in Betracht. Die Hauptsache für sie ist, empirisch arbeiten zu können.

Bei ihrem Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium musste sie einige Erfahrungen mit Diskriminierung erleben: „Der Anteil der Kinder von Nicht-Akademiker*innen, die Abitur machen und dann studieren, ist klein. Ich wurde oft abgestempelt und unterschätzt, musste somit definitiv mehr Hürden als andere bezwingen.”

Das FAIR-Projekt

Larissa Fuchs ist Teil der Forschung am „FAIR-Projekt”. Ziel ist es, die Diskriminierung bei der Personalauswahl mittels Algorithmen abzubauen oder zu reduzieren.

„Die Algorithmen bieten die Chance, fairere Entscheidungen bei der Personalauswahl zu treffen als Menschen.” Larissa Fuchs betont, dass auch die Algorithmen angelernt werden und diese daher zuvor mit den richtigen Kriterien aufgesetzt sein müssen. Mithilfe  von Kontrollmechanismen werden diese dann im Anschluss auf Diskriminierung geprüft – hierfür wurde als Gegenspieler der „FAIR-Index” entwickelt.

Wie kann man Diskriminierung für sich nutzen?

Larissa Fuchs selbst befürchtet bisher keine Diskriminierung in zukünftigen Bewerbungsverfahren aufgrund ihres Genders. Und das, obwohl sie im MINT-Bereich arbeitet, der meist von Männern dominiert ist. Falls es aber doch passieren sollte, sieht sie darin sogar eine Chance:  „Wenn man als Frau unterschätzt wird, ist das erstmal eine angenehme Startposition, man kann im Endeffekt nur positiv überraschen.”

Im Bezug auf die Familienplanung und die mittel- und langfristige Karriere erwartet sie jedoch definitiv einen Nachteil:  „Das ist ja auch der Grund, warum Frauen zumeist nie ganz oben ankommen. Ab einer gewissen Hierarchieebene haben Männer schon mehr Erfahrungen gesammelt als ihre Kolleginnen. Frauen können ihre job-spezifischen Fähigkeiten während der Elternzeit nur bedingt weiterentwickeln.”

Seit 2015 ist es für beide Elternteile möglich, gleichzeitig bis zu drei Jahre Elternzeit zu beanspruchen. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Elternzeitquote von 2009 bis 2019 um ein Drittel an. Jedoch ist der Anteil der Väter in Elternzeit gering. Während der Anteil von Müttern, deren jüngstes Kind unter 6 Jahre alt ist, fast 25 % in Elternzeit waren, waren es bei den Vätern nur 1,6 %.

Chancengleichheit in Euro: Was ist mit dem Gender-Pay-Gap?

Auch der Gender-Pay-Gap ist ein Beleg für die fehlende Chancengleichheit im Beruf.

Für Larissa Fuchs sind insbesondere die Lohnspiegel ein gutes Hilfsmittel, um eine unfaires Gehalt zu vermeiden. „Gerade in der akademischen Welt gibt es Richtwerte für den Verdienst. Ich persönlich glaube nicht, dass ich eine geringere Bezahlung als männliche Kollegen erhalte, weil ich meine Gehaltsvorstellungen sehr hoch ansetzten werde, nur aus dem Wissen heraus, wie viel andere durchschnittlich verdienen. Es ist wichtig, seinen eigenen Wert zu kennen!”

Jobmensa Fazit

Was also tun wenn man diskriminiert wird? Die Reaktionen auf Diskriminierung sind individuell: Man fühlt sich verletzt, wütend oder auch hilflos. Um sich von diesen Gefühlen nicht vereinnahmen zu lassen, kann es helfen, sich einer Vertrauensperson zu öffnen. Falls man die diskriminierende Person mit ihrem Handeln konfrontieren möchte, kann es hilfreich sein, ein offenes Gespräch mit einem neutralen Mittler zu führen. Weitere Tipps findet ihr beispielsweise bei der Organisation Antidiskriminierung.

Im Jahr 2021 sollte keiner mehr Angst haben müssen, diskriminiert zu werden. Die Diversität im Alltag und im Berufsleben ist eine Bereicherung und sollte auch als solche wahrgenommen werden. Es ist egal, wer wen liebt oder wie jemand aussieht, und welchem Gender man sich zugehörig fühlt. Was zählt, ist die Qualifikation und Leistung einer Person.