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Studieren im Eiltempo: Wie wichtig ist die Regelstudienzeit?
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jobmensa Redaktion
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Kurzgesagt:
Der Artikel beleuchtet die Rolle der Regelstudienzeit im heutigen Bachelor- und Mastersystem. Er definiert sie als die Mindestdauer für ein Vollstudium (meist 180 ECTS in 6 Semestern), die primär der Vergleichbarkeit und als Rechtsanspruch gegenüber der Universität dient. Da laut Statistischen Bundesamt nur etwa 21 % der Studierenden diesen Zeitrahmen einhalten, wird die Aussagekraft der Norm hinterfragt. Während die Regelstudienzeit für die BAföG-Förderung eine harte Grenze darstellt, zeigt sich der Arbeitsmarkt deutlich flexibler: Für Personaler stehen Praxiserfahrung, Soft Skills und Auslandsaufenthalte meist über der reinen Studiendauer, sofern eine moderate Überziehung sinnvoll begründet werden kann.
- Rechtsanspruch statt Obergrenze: Die Regelstudienzeit ist keine strikte Frist zum Abschluss, sondern sichert dem Studierenden zu, dass der Studiengang in dieser Zeit studierbar ist und nicht gestrichen wird.
- Finanzielle Abhängigkeit: Der größte Druckfaktor ist das BAföG, da die Förderungshöchstdauer strikt an die Regelstudienzeit gekoppelt ist und ein Überziehen oft zum Wegfall der Finanzierung führt.
- Profil vor Schnelligkeit: In der Berufswelt zählen relevante Praserverfahrung (Praktika, Werkstudentenjobs) und Zusatzqualifikationen mehr als ein extrem kurzes Studium ohne jegliche praktische Einblicke.
Die Regelstudienzeit: eine kleine, auf den ersten Blick unauffällige Zahl in unseren Modulhandbüchern. Hinter dieser unschuldig wirkenden Zahl ist jedoch ein ganzer Rattenschwanz an Konsequenzen und Druck versteckt. Im Laufe des Bachelor- oder Masterstudiums muss sich jede*r Student*in zwangsläufig mit ihr befassen, wenn es darum geht: Wie lange brauche ich für meinen Abschluss? Muss ich in Regelstudienzeit bleiben oder kann ich auch länger studieren? Und – wie wirkt sich meine Studiendauer auf meinen Berufseinstieg aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
3 Fakten zur Regelstudienzeit
Bevor wir zu der Frage kommen, wie wichtig die Regelstudienzeit für unser Studium tatsächlich ist, klären wir zunächst ein paar Fakten. Gerade unter Studierenden kursiert viel Halbwissen. Ist die Regelzeit nun eine Obergrenze an Semestern oder doch nur eine grobe Richtlinie?
1. Was ist die Regelstudienzeit?
Als Regelstudienzeit wird die Dauer bezeichnet, welche ein Vollzeitstudent mindestens benötigt, um seinen Abschluss zu erlangen. In erster Linie dient die Dauer den Studierenden als Rechtsanspruch: während dieser Zeit kann die Uni deinen Studiengang nicht streichen. Das Förderlimit des BAföG führt dazu, dass die Regelstudienzeit häufig als Obergrenze für die Studiendauer angesehen wird. Das ist sie jedoch nicht! Generell wird für die Absolvierung des Bachelor- und des Masterabschlusses meist eine gesamte Regelstudienzeit von zehn Semestern angegeben. Bei der Regelzeit geht es jedoch nicht um die Semesterzahl allein, sondern insbesondere um die erreichten Credit-Points. Für einen Bachelor müssen beispielsweise meist 180 ECTS erreicht werden.
2. Warum gibt es die Regelstudienzeit?
Mit der Bologna-Reform wurden die Regelstudienzeiten geschaffen, um eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Studiengängen an verschiedenen Universitäten zu ermöglichen. So ist die Regelzeit für den Bachelor an Fachhochschulen meist um ein bis zwei Semester höher als an Universitäten, da hier der Bachelor eher als eigenständiger und berufsqualifizierender Abschluss gewertet wird. Durch die Standardisierung ist es zudem leichter, nach dem Bachelor-Abschluss problemlos mit dem Master an einer anderen Universität einzusteigen, ohne Zeit zu verlieren.
3. Wer schafft sein Studium in Regelstudienzeit?
Bislang scheint die Regelstudienzeit als Indikator für die Studiendauer nicht sonderlich gut zu funktionieren. Denn nur rund 21% aller Bachelorstudierenden absolvieren 2020 ihr Studium in dieser Dauer. Diese Zahl liefert eine Studie des statistischen Bundesamtes. Wenn also so wenige Studierende ihren Abschluss in der Regelstudienzeit beenden, stellt sich die Frage, wie aussagekräftig die Regelstudienzeit überhaupt ist.
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Wie wichtig ist die Regelstudienzeit für Studenten?
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Denn im Laufe des Studiums stellt sich fast jeder Student die Frage: Wie lange studieren ist okay? Der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt ist groß, viele Studierende haben Angst, zu spät ins Berufsleben zu starten oder mit ein paar Semestern mehr auf dem Buckel einen Nachteil gegenüber anderen Bewerber*innen zu haben. Dabei ist es für die meisten von uns mehr als unrealistisch, unseren Bachelor-Abschluss in sechs Semester zu quetschen. Durch Nebenjobs, Praktika oder Auslandserfahrung haben wir immer weniger Zeit, noch schneller auf die Jagd nach den wichtigen Credit Points zu gehen. Für viele Studis hängt von der Regelstudienzeit jedoch einiges ab. Wer sein Studium mit Hilfe von BAföG finanziert und seinen Abschluss nicht in Regelzeit fertig bekommt, dem fehlt von jetzt auf gleich die wichtigste Finanzierungsquelle.
Aus diesen Gründen machen wir uns immer mehr Druck, für unser Studium bloß nicht länger als nötig zu brauchen. Schließlich möchten wir auch unter allen Umständen verhindern, später im Vorstellungsgespräch auf unsere Studiendauer angesprochen zu werden. Es könnte ja passieren, dass der oder die Personaler*in kein Verständnis aufbringt, wenn man ein paar Semester überzogen hat.
Wie wichtig ist die Regelstudienzeit für Personaler*innen?
Dabei sehen die Personaler*innen die Regelstudienzeit meist weniger streng als wir selbst. Die meisten Personaler*innen großer Unternehmen achten vorrangig auf Praxiserfahrung, die du beispielsweise durch einen fachbezogenenen Nebenjob oder diverse Praktika gesammelt hast. Dass du dein Studium nicht in der Regelstudienzeit abgeschlossen hast, ist zweitrangig. Kannst du im Lebenslauf mit Sprach- oder IT-Kenntnissen, Auslandsaufenthalten oder ehrenamtlichem Engagement punkten, rückt die Regelstudienzeit schnell in den Hintergrund.
Wenn du beim Vorstellungsgespräch die Überziehung deiner Regelstudienzeit sinnvoll begründen kannst, weil du die zusätzliche Zeit genutzt hast, um dich weiterführend zu qualifizieren, sind ein paar Semester mehr auf dem Buckel meist kein Problem. Lediglich vor Langzeitstudenten schrecken viele Unternehmen zurück: wer unverhältnismäßig lang für seinen Abschluss braucht, wird oft als faul und nicht ausreichend motiviert klassifiziert.
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Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Regelstudienzeit zwar ein wichtiger administrativer Richtwert ist, aber keinesfalls als alleiniges Maß für den studentischen Erfolg dienen sollte. In einer Zeit, in der Praxiserfahrung und persönliche Reife auf dem Arbeitsmarkt oft höher gewichtet werden als ein Turbo-Abschluss, ist ein „bewusstes Überziehen“ für Praktika oder Auslandserfahrung oft die klügere Karrierestrategie. Wer jedoch auf staatliche Förderung angewiesen ist, muss die Uhr im Auge behalten. Letztlich gilt: Qualität geht vor Geschwindigkeit – ein Profil mit Ecken, Kanten und praktischem Know-how überzeugt Personaler eher als ein glatter Lebenslauf, der nur aus Hörsaal-Meilensteinen besteht.
1. Was passiert, wenn ich die Regelstudienzeit überschreite?
Akademisch gesehen meist wenig, solange keine spezifischen Fristen in deiner Prüfungsordnung (z. B. maximale Studiendauer) verletzt werden. Finanziell endet jedoch oft der Anspruch auf BAföG, sofern keine schwerwiegenden Gründe für die Verzögerung vorliegen.
2. Warum schaffen so wenige Studenten ihr Studium in der vorgegebenen Zeit?
Die Verdichtung des Stoffes seit der Bologna-Reform kollidiert oft mit der Realität: Viele Studierende müssen nebenher arbeiten, absolvieren freiwillige Praktika oder verbringen Zeit im Ausland, was im starren Modulplan oft nicht vorgesehen ist.
3. Muss ich im Vorstellungsgespräch Angst wegen meiner Semesterzahl haben?
Nein, solange du kein „Langzeitstudent“ ohne erkennbare Gründe bist. Wenn du erklären kannst, dass du länger gebraucht hast, weil du wertvolle Arbeitserfahrung gesammelt oder dich ehrenamtlich engagiert hast, wird dies oft positiv bewertet.
4. Sind Fachhochschulen (FH) und Universitäten hier gleich?
An Fachhochschulen ist die Regelstudienzeit oft ein bis zwei Semester länger angesetzt, da der Bachelor dort stärker als eigenständiger, praxisnaher Berufsabschluss konzipiert ist und oft integrierte Praxissemester beinhaltet.
5. Wie viele ECTS-Punkte muss ich pro Semester sammeln?
Um in Regelstudienzeit zu bleiben, sind im Schnitt 30 ECTS pro Semester vorgesehen. Das entspricht einem Vollzeit-Arbeitsaufwand von etwa 40 Stunden pro Woche.
jobmensa Redaktion
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