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Scheinstudium: Pro & Contra der nie anwesenden Kommiliton*innen
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jobmensa Redaktion
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Inhaltsverzeichnis
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Kurzgesagt:
Der Artikel beleuchtet die Praxis des Scheinstudiums, bei dem Personen formal immatrikuliert sind, ohne die Absicht zu haben, Prüfungen abzulegen oder Vorlesungen zu besuchen. Die Hauptmotivation liegt in finanziellen Privilegien wie dem Semesterticket, vergünstigten Krankenkassenbeiträgen, dem Erhalt von Kindergeld sowie zahlreichen Alltagsrabatten. Während Studentenwerke und Universitäten finanziell oder statistisch von hohen Einschreibezahlen profitieren können, entstehen gesellschaftliche Nachteile durch die steuerliche Mitfinanzierung von „Karteileichen“ und die Blockade von Ressourcen oder Studienplätzen. Eine rechtliche Handhabe gegen diese Praxis ist derzeit kaum gegeben, da keine gesetzliche Pflicht zur aktiven Teilnahme am Studienbetrieb besteht.
- Finanzieller Anreiz: Das Scheinstudium dient primär als Sparmodell für Mobilität (Semesterticket), Versicherungen und den Bezug von staatlichen Leistungen wie Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr.
- Ressourcenverschwendung: Scheinstudierende verzerren die Kapazitätsplanung der Hochschulen und können – besonders in zulassungsbeschränkten Fächern – aktiv Studierenden die Plätze wegnehmen.
- Rechtliche Grauzone: Da die Freiheit des Studiums keine Belegungspflicht für Module vorsieht, können Universitäten kaum effektiv gegen Scheinstudierende vorgehen.
Jeder kennt eine*n, einige verachten sie, andere haben kein Problem mit ihnen: die Rede ist von sogenannten Scheinstudierenden. Jedes Semester auf Neue schreiben sich Tausende an einer Universität ein – um dann nicht hinzugehen.
Seit der Abschaffung der Studiengebühren ist die Zahl der Scheinstudierenden weiter in die Höhe geschnellt. Es gibt zwar keine offiziellen Statistiken, doch manche Unis melden, dass in einigen zulassungsfreien Fächern teilweise bis zu ⅓ der Studierenden nicht erscheinen. Grund genug um einmal abzuwägen: wo liegen die Vorteile eines Scheinstudiums? Was muss man bei einem Scheinstudium beachten? Und wo machen uns die Scheinstudierende Probleme?
Die Vorteile des Scheinstudierenden-Daseins:
Die Vorteile für nur zum Schein immatrikulierte Studierende liegen auf der Hand. Obwohl sie in Wahrheit Praktika absolvieren, jobben, in der Ausbildung sind oder bereits fest im Berufsleben stehen: gleichzeitig können sie zahlreiche studentische Rabatte genießen. Ich persönlich kenne bereits verbeamtete Lehrer*innen, die sich für das Semesterticket immer noch einschreiben. Damit wären wir bei…
Vorteil 1: Das Semesterticket
Es ist das non plus ultra des Studierendendaseins: das Semesterticket. Es ist eines der am meisten vergünstigten Tickets für Bus und Bahn, die es überhaupt gibt. Unbegrenzt durch die ganze Stadt und das Bundesland tingeln – auch zum Job oder Praktikum. Ganz schön lukrativ, finden die Scheinstudierenden. Dafür zahlen sie gerne den halbjährlichen Semesterbeitrag von meist um die 200 Euro. Denn das ist nur ein Bruchteil von dem, was sie für ein reguläres Ticket zahlen würden.
Vorteil 2: Versicherungen
Auch bei der Krankenversicherung spart der oder die Scheinstudierende bares Geld. Vergleichsweise günstige 80 Euro im Monat muss er für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Ist der oder die Scheinstudierende noch unter 25, kann er oder sie sogar noch in der Familienversicherung bleiben, sollte er oder sie keinen Nebenjob haben, bei dem er mehr als 20 Stunden die Woche arbeitet oder mehr als 450 Euro verdient.
Vorteil 3: Kindergeld
Die selbe Altersgrenze von 25 besteht auch für den Bezug von Kindergeld. Das gibt es zwar auch in der Ausbildung – jobbt man jedoch nur oder absolviert Praktika, schreiben sich viele junge Menschen ein, um weiterhin jeden Monat ihr Kindergeld zu erhalten.
Vorteil 4: Rabatte, Rabatte, Rabatte!
Erklärt sich von selbst, oder? Als Studierende*r kann man günstiger feiern, essen, Zeitungen abonnieren, online shoppen (z.B. Amazon Student*in) und so weiter und sofort. Es könnte schwächere Anreize für das Studierendendasein geben!
Schön und gut, aber wo liegen die Vorteile der Scheinstudierenden für uns?
Vorteil 1: Plus bei den Studentenwerken
Was oft nicht bedacht wird: der Semesterbetrag, den ja auch die Scheinstudierende leisten, geht ja nicht nur für das Semesterticket drauf. Ein Teil davon wandert auch zu den Studentenwerken. Und haben die Studentenwerke mehr Knete zur Verfügung, profitieren davon die aktiven Studierenden, denn: die Mensa, Wohnheime, Beratungen etc. wird wohl kaum ein*e Scheinstudierende*r in Anspruch nehmen.
Vorteil 2: Studierendenzahlen
Diesen Vorteil haben vor allem die Universitäten selbst. Denn Scheinstudierende tauchen zwar in den Studierendenzahlen auf, aber nicht im Hörsaal. Für die Unis oftmals egal, denn für sie sind die Studierendenzahlen das A und O. An ihr wird die Höhe der Fördermittel und die Menge an Personal berechnet, das eine Universität zur Verfügung bekommt. Mehr Personal und höhere Fördergelder der Universität sind zudem auch von Vorteil für die Studierende.
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Das klingt ja fast zu schön um wahr zu sein! Wo liegt also der Haken?
Nachteil 1: Finanzierung
Mag ja sein, dass die Scheinstudierende mit ihrer Immatrikulation ordentlich Knete sparen – alle anderen tun dies nicht. Damit Studierende die ganze Bandbreite an Vergünstigungen in Anspruch nehmen können, werden sie vom Rest der Gesellschaft durch Steuern mitfinanziert. Von den Scheinstudierenden wird jedoch nicht die erwartete Gegenleistung dafür erbracht: nämlich aktiv zu studieren und zu lernen und am Ende einen Abschluss zu erwerben.
Nachteil 2: Die Studienplätze
Das ist doch mal einen Aufreger wert – in vielen Fällen nehmen Scheinstudierende anderen Bewerber*innen den Studienplatz weg. Denn da auf einen Studienplatz meist mehrere Bewerber*innen kommen, wird derjenige genommen, der den besseren NC oder mehr Wartesemester hat. Ist das der/die Scheinstudierende, wird er/sie genommen. Um den Platz nach der Zusage nicht ein einziges Mal in Anspruch zu nehmen. Doch auch wenn die Immatrikulation in einem zulassungsfreien Fach erfolgt, gibt es Probleme. Die Universität muss bei der Raum- und Personalplanung mit der Zahl der Eingeschriebenen kalkulieren, egal wie viele davon am Ende auftauchen. Deshalb steht oft ein*e Professor*in vor hundert Studierenden weniger als erwartet oder Räume bleiben halb leer. Damit werden Ressourcen vergeudet, und das kostet ordentlich Geld.
Nachteil 3: Das Image
Dieser Punkt ist sicherlich nicht so essenziell wie die anderen beiden, aber trotzdem zu bedenken. Denn Scheinstudierende können erheblich dem Image eines Fachs oder der Studierendenschaft allgemein schaden. Sollte die Zahl der Scheinstudierenden weiter ansteigen, werden Studierende vermehrt mit Attributen wie faul, Schmarotzer*in oder Betrüger*in konnotiert werden. Zulassungsfreie Fächer wie Theologie oder Physik werden vermehrt mit dem Vorurteil konfrontiert, bei ihnen seien ja eh nur Scheinstudierende eingeschrieben. Das könnte das Interesse aktiver Studierender an diesen Fächern minimieren.
Gegen Scheinstudierende vorzugehen ist fast unmöglich. Zum einen haben die Universitäten dafür schlicht nicht die personellen Mittel, zum anderen kann man rechtlich kaum gegen Scheinstudierende vorgehen. Denn mit der Immatrikulation an einer Hochschule verpflichtet man sich nicht automatisch dazu, auch Module zu belegen. Darüber hinaus sehen viele kein Problem in einem Scheinstudium, einige zeigen sogar Verständnis für Auszubildende und Praktikant*innen mit geringen Gehältern, die etwas sparen wollen. Doch wie sieht es mit Beruftstätigen aus? Und wie steht ihr allgemein zu Studierenden, die sich nur zum Schein immatrikulieren und dann zur Karteileiche werden? Wir sind auf eure Meinungen gespannt! Mehr leisten mit oder ohne Studierendenausweis könnt ihr euch dank eines Nebenjobs. Die besten findet ihr wie immer bei Jobmensa.
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Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Scheinstudium ein Symptom für die ökonomischen Zwänge junger Erwachsener ist, aber gleichzeitig die Solidargemeinschaft belastet. Während Praktikanten und Auszubildende das Modell oft als notwendige finanzielle Stütze nutzen, bleibt ein fader Beigeschmack, wenn Ressourcen an Personen fließen, die dem Bildungssystem keine Gegenleistung in Form von Qualifikation zurückgeben. Letztlich ist das Phänomen eine Gratwanderung zwischen individueller Cleverness und gesellschaftlicher Verantwortung. Solange die Vorteile die Kosten für den Semesterbeitrag massiv übersteigen, wird die „Karteileiche“ wohl ein fester Bestandteil der deutschen Campus-Statistik bleiben.
1. Was ist ein Scheinstudium genau?
Es handelt sich um eine Immatrikulation an einer Hochschule ohne die Absicht, tatsächlich zu studieren. Das Ziel ist ausschließlich die Nutzung des Studierendenstatus für finanzielle Vorteile.
2. Ist das Scheinstudium illegal?
Rechtlich ist es schwer zu belangen, da es keine „Anwesenheitspflicht“ für das gesamte Studium gibt. Werden jedoch Sozialleistungen (wie Kindergeld) bezogen, obwohl kein ernsthafter Ausbildungswille vorliegt, kann dies im Extremfall als Betrug gewertet werden.
3. Warum unternehmen Universitäten nichts dagegen?
Den Hochschulen fehlen oft die personellen Ressourcen für Kontrollen. Zudem profitieren sie indirekt: Höhere Studierendenzahlen können zu mehr staatlichen Fördergeldern und Stellen führen.
4. Können Berufstätige auch Scheinstudierende sein?
Ja, theoretisch kann sich jeder einschreiben. Allerdings entfallen für Berufstätige ab einem gewissen Einkommen oder Alter (oft 25 oder 30 Jahre) viele Privilegien wie die studentische Krankenversicherung oder das Kindergeld.
5. Schadet ein Scheinstudium den „echten“ Studenten?
In zulassungsfreien Fächern weniger direkt (außer durch überfüllte Kalkulationen), in Fächern mit NC hingegen massiv, da Plätze besetzt werden, die motivierten Bewerbern dann fehlen.
jobmensa Redaktion
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