Die Wohngemeinschaft

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Das Leben in einer Wohngemeinschaft

Wie viele Namen passen auf ein Klingelschild?

Für viele ist eine WG der Inbegriff des Studentenlebens. Hier kommen unterschiedliche Leute zusammen, die sich alle im gleichen Lebensabschnitt befinden, oftmals dieselben Interessen teilen und eine quasi neue "Familie" bilden, in der jeder Anschluss findet. Eine WG kann ein sehr kommunikativer Ort sein, wo Freundschaften fürs Leben entstehen oder mindestens zusammen gekocht und gefeiert wird. Manche Studis ziehen aber auch Zweck-WGs vor, also Mitbewohner, die einfach nur gemeinsam eine Wohnung teilen, um Kosten zu sparen, wo sich aber ansonsten jeder aus dem Weg geht und sein komplett eigenes Ding durchziehen kann. Was man will, sollte man wissen, bevor man irgendwo einzieht. Außerdem sollte man wissen, dass eine siebener WG nicht unbedingt ein Hort der Ruhe ist und man auch schon mal mit verschränkten Beinen vor dem Klo stehen muss. Ihr müsst wissen, wie man die passende WG für sich findet, wie man selber ideale Mitbewohner sucht, wie man ein harmonisches Zusammenleben gestaltet und natürlich auch, was bei vertraglichen Dingen zu beachten ist. Über all diese Themen geben wir euch hier einen Überblick.

Was ihr zum Leben in einer WG wissen müsst

29% der deutschen Studenten leben in WGs und kennen sich daher aus mit Putzplänen, aufgeteilten Kühlschränken, besetzen Klos oder auch Mietverträgen. Alle diese Studis kennen sog. Castings und hassen sie mehr oder weniger. Und alle wissen, dass jeder mal seine Ruhe braucht bzw. dass jeder sich über gespülte Töpfe freut. Das Leben in einer WG kann jede Menge Spaß machen, allerdings gibt es auch einige Dinge, die man beachten sollte:

  • Welche Ansprüche hast du an deine WG? An dein Zimmer, die Lage der Wohnung, Kosten?
  • Wie viele Mitbewohner möchtest du dauerhaft um dich scharen?
  • Welche Mitbewohner passen zu Dir? Welcher neue Mitbewohner passt zu euch?
  • Welchen Papierkram solltet ihr kennen und untereinander handeln?
  • Was versteht ihr unter einem harmonischen Zusammenleben?

Bausteine für eine gute WG Erfahrung

Wer sucht, der findet!

Grundlegend für eine gute WG ist, dass die Wohnung WG-tauglich ist. Das bedeutet, dass die Zimmer alle möglichst gleich groß sein sollten, damit sich niemand ins Kellerloch abgeschoben fühlt. Es ist immer super, wenn man ein Zimmer hat, in dem sich alle Mitbewohner treffen können, z. B. in der Küche oder im Wohnzimmer. Ab einer gewissen Mitbewohnerzahl ist es auch ratsam, zwei Badezimmer zu haben oder zumindest 2 Toiletten. Wenn also die richtige Hardware da ist, gilt es die Bude mit Leben zu füllen, sprich mit Mitbewohnern. Wer sich auf die Suche nach einer WG macht, der sucht heutzutage meistens in Onlineplattformen danach (z. B. www.wg-gesucht.de oder www.studenten-wg.de). Hier werden täglich neue WGs inseriert und über Filterfunktionen könnt ihr sehr gezielt nach euren Vorstellungen suchen (Alter, Geschlecht, Stadtviertel usw.). Auch könnt ihr Gesuche aufgeben und euch selber persönlich vorstellen - manche WGs scheuen die Flut an E-Mails, die ihnen zugesendet werden, wenn sie ein freies Zimmer inserieren; manche schauen da lieber gezielt Gesuche an. Wenn ihr den klassischen Weg geht und euch bei einer WG bewerbt, dann sollte euer Anschreiben knackig sein und einfach das Interesse wecken. "Hallo, ich würde euch gerne kennen lernen", zieht meistens nicht so richtig. Stellt euch kurz vor, nehmt Bezug auf Dinge die schon in der Anzeige stehen und schreibt, wie ihr euch das Zusammenleben vorstellt. Außerdem solltet ihr gerade in Städten mit großer Wohnungsnot fix sein. In Hamburg oder München werden Inserate teilweise nur 2 Tage geschaltet, da die Bewerberzahl so groß ist. Seht zu, dass ihr dann vorne mit dabei seid und eine der ersten Mails geschrieben habt. Wenn ihr dann zu eurer potentiellen Traum-WG zum Kennenlernen eingeladen werdet, empfiehlt es sich, einfach man selber zu bleiben. Schließlich wollt ihr mit diesen Leuten zusammen leben und da ist es sicherlich nicht ratsam, sich dauerhaft immer verstellen zu müssen, um nicht als Casting-Schwindler aufzufliegen. Locker bleiben und auch einfach ehrlich sagen, wenn man direkt das Gefühl hat, dass es nicht passt - das spart allen Beteiligten Zeit und Nerven. Und bitte, bitte, bitte nehmt es nicht persönlich, wenn eine WG sich nicht für euch entscheidet. Vielleicht fanden sie euch super nett, aber ein anderer war einfach schneller verfügbar oder passte noch besser. Es gibt ganz viele Faktoren, die da eine Rolle spielen. Jede WG sollte sich deshalb auch bewusst überlegen, wie sie mit ihren Bewerbern umgeht. Die WG-Suche kann eine wirklich emotionale Angelegenheit sein. Deshalb ist es immer nett, wenn man Leuten absagt, die einen besucht haben, mit denen man sich vielleicht sogar gut verstanden hat. Eine kurze Begründung ist für denjenigen manchmal sehr hilfreich. Wenn ihr Castings veranstaltet, solltet ihr gucken, dass die Leute sich wohl fühlen. Es bietet sich an, dem Bewerber erst das Zimmer zu zeigen, um das es geht und erst dann ins große Kennenlernen zu starten, sonst ist der jenige eventuell abgelenkt. Sorgt dafür, dass nicht nur die Mitbewohner Fragen stellen, sondern dass der Andere auch Fragen stellen darf. Es ist immer nett, wenn "der Fremde" sich nicht wie auf der Anklagebank fühlt. Außerdem solltet ihr gemeinsam als WG eine Entscheidung treffen, wer bei euch einziehen soll. Möglichst alle Mitbewohner sollten auch bei den Castings dabei sein und sich einen Eindruck machen können. Sobald ihr euch dann für einen Kandidaten entschieden habt und der mündlich zugesagt hat, sollte ihr die Angelegenheit auch schriftlich fixieren, damit für beide Seiten eine rechtliche Sicherheit herrscht.

Vertragliches

Auch in WGs empfiehlt es sich, Verträge aufzusetzen - auch, wenn man mit den besten Freunden zusammen wohnt, im Zweifel erspart das bösen Streit. Außerdem ist es immer klug, den Mietvertrag zu sehen, um nicht von den Mitbewohnern abgezockt zu werden.

Es gibt unterschiedliche Handhabungen, auch von den Vermietern, wie Mietverträge ausgestellt werden. Manche Vermieter nehmen alle Mitbewohner in den Mietvertrag auf bzw. jeder Mitbewohner erhält einen eigenen Vertrag. Am gängigsten ist es aber wohl, dass es ein oder zwei Hauptmieter für eine Wohnung gibt und diese einzelne Zimmer an die anderen Mitbewohner untervermieten. Hauptmieter haften meistens auch für Schäden an der Wohnung oder Bürgen sogar. Wenn das der Fall ist, ist es ganz wichtig, dass die Haftungsansprüche auch gegenüber den Untermietern weiter gegeben werden und alle ein ähnliches Risiko tragen. Außerdem solltet ihr untereinander Kündigungsfristen fixieren, die Aufteilung von Anschaffungen und Schäden regeln und auch untereinander die Kautionshöhe bestimmen. Im Internet findet ihr jede Menge Vertragsvorlagen, an denen ihr euch gut orientieren könnt.

Außerdem sollte auch schriftlich fixiert werden, welche Anschaffungen neu getätigt werden müssen und wie damit verfahren wird, wenn Mitbewohner ausziehen. Oftmals bietet es sich an, von dem dann neuen Mitbewohner einen sog. Abschlag zu nehmen, dass heißt, der Gegenstand bleibt für alle verfügbar in der WG, aber der einzelne wird sozusagen ausbezahlt - natürlich anteilig zum jeweilig verbliebenen Wert.

Außerdem müsst ihr auch fixieren, dass für Nachzahlungen bei den Nebenkosten oder Renovierungen alle Mitbewohner zum gleichen Teil daran beteiligt sind.

Was die faire Berechnung des Mietpreises der einzelnen Zimmer betrifft, gibt es eine einfache Rechnung. Teilt die Anzahl der m² der gemeinsam genutzten Wohnfläche (Bäder, Flur, Küche...) durch die Anzahl der Mitbewohner und rechnet dann die m²-Anzahl des jeweiligen Zimmers dazu ((gemeinsame Wohnfläche (m²) / Anzahl Mitbewohner) + eigenes Zimmer (m²)). Die Summe setzt ihr ins Verhältnis zur Kaltmiete (!!!) - sonst zahlen die, mit einem größeren Zimmer mehr Strom oder Telefonkosten, was keinen Sinn macht. Die Nebenkosten werden dann wieder komplett durch die Anzahl der Mitbewohner geteilt. Das wiederum in der Summe ergibt die jeweilige Monatsmiete, die pünktlich (!) auf ein eigenes WG-Konto (!) überwiesen wird.

Besprecht immer mit euerm Vermieter Änderungen in eurer WG, sowohl personelle, als natürlich bauliche. Darüber hinaus ist es vom Aufwand her klug, wenn ihr als WG die verschiedenen Aufgaben untereinander aufteilt. Einer führt die Kommunikation mit dem Vermieter, einer verwaltet das WG-Konto, einer kümmert sich um Strom- und Gasanbieter, einer um Telefon und Co. So trägt jeder in der Gemeinschaft Verantwortung und niemand fühlt sich ungerecht behandelt.

Auch wenn es zu Beginn vielleicht spießig erscheint: fixiert Absprachen schriftlich und verbindlich. Manchmal erlebt man böse Überraschungen im Leben. Und manchmal lassen sie sich ganz einfach verhindern.

Tipps für ein harmonisches Zusammenleben

Ihr solltet einige Regeln definieren, die euch wichtig sind. Putzpläne helfen, um eine Wohnung sauber zu halten. Aber ein Putzplan alleine reicht nicht aus. Er muss auch eingehalten werden. Findet eine Lösung, dass alle an einem Strang ziehen und es zur Not auch Strafen gibt (Bier für alle!), wenn einige Mitbewohner sich konsequent vor dem Hausputz drücken.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Organisation von Einkäufen. Es empfiehlt sich, dass jeder seine Sachen selber kauft. Einige Verbrauchsmaterialien wie Öl, Mehl, Gewürze usw. lohnt es sich aber zu teilen. Entweder ihr kauft die Sachen dann nacheinander wieder neu ein, oder derjenige, der etwas nachgekauft hat, trägt die Summe in ein Büchlein ein und die Kosten werden nach ein paar Wochen untereinander aufgeteilt.

Ihr solltet gemeinsam definieren, wann es eine gewisse Nachtruhe gibt und ob es ok ist, einfach so bei dem Anderen ins Zimmer zu laufen. Bedeutet eine geschlossene Tür "No Way in" oder darf man mal anklopfen? Türen sollten nicht unbedingt geknallt werden und derjenige, der neben der Küche wohnt, ist sicher sehr dankbar, wenn morgens die Küchentür geschlossen wird, wenn er selber noch selig träumt, aber ein anderer Mitbewohner schon die Küchenmaschine bedienen möchte. Rücksicht ist oft ein Zauberwort in einer WG.

Fazit

  • Alles in allem gibt es also ein paar Dinge zu beachten, wenn es um ein wirklich entspanntes WG Leben geht. Einfühlungsvermögen, Toleranz, Sauberkeit, Achtsamkeit und Engagement sind Eigenschaften, die Harmonie unterstützen und fördern. Und wenn es doch mal zu Problemen kommt, dann redet offen darüber. Dazu eignet sich auch ein fixer WG-Abend einmal im Monat - zur Not trinkt man ohne Probleme halt einfach so Bier. Das Leben in einer WG kann deine Studizeit wirklich unvergesslich machen und so manche Geschichte taugt für die Ewigkeit. Und wenn ihr dann nach na Zeit doch in die eigene Bude wollt, helfen euch unsere Umzughelfer beim Umziehen. Habt eine gute Zeit in euerm neuen zu Hause!

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