Das Arbeitszeugnis

Lieber nicht auf die leichte Schulter nehmen

Das Arbeitszeugnis ist ein fester Bestandteil jeder Bewerbungsmappe. Zwar verlassen sich Personaler im ersten Schritt auf den Lebenslauf eines Bewerbers und natürlich auf das eigene Gespür. Im zweiten Schritt kann ein gutes Arbeitszeugnis bei der Auswahl geeigneter Bewerber mit ähnlichen Qualifikationen jedoch ein entscheidender Faktor sein, der letztendlich zum Erfolg führt. Immerhin lässt es Rückschlüsse darauf zu, warum ein Arbeitnehmer aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Außerdem belegt es deine fachlichen Kompetenzen und die für Unternehmen immer wichtiger werdenden Soft-Skills. Für jeden Arbeitgeber ist es interessant zu sehen, wie sich der Bewerber im Laufe seines beruflichen Werdegangs gemacht hat.

Warum du dein Arbeitszeugnis bei Gelegenheit selbst schreiben solltest

Leider sind sich viele Arbeitnehmer der Bedeutung ihrer Arbeitszeugnisse nicht bewusst und beschäftigen sich nicht weiter damit. Der allgemeine Tonus: Hört sich doch gut an, passt schon. Leider ein Irrglaube, der nach einiger Zeit nicht mehr zu revidieren ist. Denn gerade Formulierungen, Floskeln und Wortstellungen geben Personalchefs Anhaltspunkte, die dich nicht unbedingt in gutem Licht dastehen lassen. Eine gute Idee ist es daher immer, wenn du dich selbst um die Formulierung deines Arbeitszeugnisses bemühst. Gut zu wissen: Acht von zehn Vorgesetzten freuen sich über diese Arbeitserleichterung. Also ruhig einmal nachfragen oder eben auf das Angebot eingehen, den ersten Entwurf für dein Zeugnis selbst zu schreiben. Die Mühe lohnt sich. Hat dein Chef zudem ersteinmal zugestimmt, kannst du dir sicher sein, dass dir eine sehr gute Bewertung zu Gute kommen wird.

Das qualifizierte und das einfache Arbeitszeugnis

Vielleicht ist eine genaue Definition des Begriffs von Vorteil, bevor du dich voll in die Arbeit stürzt. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Arbeitszeugnissen:

Das einfache Arbeitszeugnis enthält neben deinen Personalien und der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses eine exakte Aufführung aller übertragenen Aufgaben. Das Ziel ist, dass sich der Personaler ein genaues Bild über deine Beschäftigung machen kann. Angaben über Führung und Leistung gehören allerdings nicht in diese Art von Arbeitszeugnis.

Im qualifizierten Arbeitszeugnis sieht das anders aus: Hier werden die bloßen Basics mit den oft entscheidenden Informationen zu Führung und Leistung im Unternehmen ergänzt, um ein vollständiges Bild von dir zu zeichnen. 

Aufbau des qualifizierten Arbeitszeugnisses

Was den Aufbau betrifft, sind dir in Sachen Arbeitszeugnis wenige Freiheiten gestattet. Jedes Exemplar folgt einem klaren Aufbau und die Abschnitte werden von Standard-Formeln begleitet.

Die Einleitung

  • Herr/Frau...geboren am...war von...bis...in unserem Unternehmen beschäftigt.
  • Beruflicher Werdegang: Er/Sie war zunächst als...und ab...als...eingestellt.
  • Die letzte der ausgeübten Tätigkeiten: Zu seinen/ihren Aufgaben zählte….

Der Leistungsteil

  • Bereitschaft: Engagement, Initiative, Dynamik, Pflichtbewusstsein, Zielstrebigkeit, Energie, Interesse, Einsatzwille, Fleiß, Mehrarbeit

Beispiel

Er/Sie zeigte stets ein hohes Maß an Engagement und Einsatzwillen.

  • Befähigung: Flexibilität, Ausdauer, Belastbarkeit, Stress-Stabilität, Auffassungsgabe, Urteilsvermögen, Konzentration, Kreativität

Beispiel

Er/Sie verfügt über ein sehr gutes analytisches Urteilsvermögen.

  • Fachwissen/Weiterbildung: Inhalt, Aktualität, Zertifikate, Tiefe, Nutzen, Eigeninitiative, Bildungserfolg

Beispiel

Herr/Frau...verfügt über ein ausgezeichnetes Fachwissen.

  • Arbeitsweise: Sorgfalt, Eigenverantwortung, Methodik, Planung, Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit

Beispiel

Herr/Frau erfüllte seine/ihre Aufgaben stets effizient und selbstständig.

  • Arbeitserfolg: Qualität, Quantität, Arbeitssoll, Umsatz, Rendite, Termintreue, Zielerreichung, Intensität, Tempo, Verwertbarkeit

Beispiel

Seine/Ihre Aufgaben hat Herr/Frau...stets termingerecht bearbeitet.

  • Zusammenfassendes Leistungurteil

Beispiel

Er/Sie hat seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.     

Der Verhaltensteil

  • Unternehmensintern: Teamfähigkeit, Anerkennung, Beliebtheit, Vorbildlichkeit, Kooperation, Wertschätzung
  • Unternehmensextern: Auftreten, Kontaktfähigkeit, Kundenzufriedenheit, Verhandlungsstärke
  • Sonstiges Verhalten: Integrität, Überzeugungsvermögen, Vertrauenswürdigkeit, Loyalität, Diskretion

Schlussteil

  • Schlussformel

Beispiel

Herr/Frau...verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch

  • Dankesformel und Wünsche für die Zukunft

Beispiel

Wir danken Herrn/Frau … für die vorbildliche Zusammenarbeit und bedauern sein/ihr Ausscheiden aus unserem Unternehmen sehr. Für seine/ihre Zukunft wünschen wir ihm/ihr alles Gute.

Datum und Unterschrift des Zeugnisausstellers (inklusive dessen/deren Position im Unternehmen)

Alle hier verwendeten Beispielsätze würden der Note “sehr gut” entsprechen und gelten als Standardformulierungen.

Sprache im Arbeitszeugnis: Mehr ist mehr

Woran du ein sehr gutes Arbeitszeugnis erkennst? Es klingt völlig übertrieben. Es mag dir im ersten Moment seltsam und arrogant vorkommen, Superlative und aufwertende Adverbien zu benutzen, doch gehören Worte wie stets und zu unserer vollsten Zufriedenheit in den ganz normalen Wortschatz von Personalern. Scheue also nicht davor zurück, dich bestmöglich zu präsentieren. Übertreibung ist Trumpf! Dabei gilt es jedoch, den schmalen Grad zwischen Selbstbewusstsein und Selbsthuldigung zu halten. Sätze wie: Wir sind zutiefst traurig, dass unser bester Mitarbeiter uns verlässt und werden die Lücke, die er zurücklässt, wohl niemals zufriedenstellend füllen können, sind fehl am Platz. Mehr noch: Das gesamte Arbeitszeugnis wird dadurch höchst unglaubwürdig.

Zudem ist es sehr empfehlenswert, die üblichen Floskeln zu verwenden, da eigene Formulierungen häufig die Gefahr bergen, eine völlig andere Aussage zu erzeugen. So würde beispielsweise der Satz “Herr Mustermann war nie unpünktlich” das genaue Gegenteil ausdrücken, da negative Formulierungen im Arbeitszeugnis anders als im normalen Sprachgebrauch gewertet werden. Ebenso würde es sich mit der Formulierung “ohne Tadel” verhalten.

Bei der Beschreibung der ausgeübten Tätigkeit solltest du jedoch von zu allgemein gehaltenen Formulierungen ein wenig Abstand nehmen, da dieser Teil deines Arbeitszeugnisses eine individuellere Beschreibung erfordert. Verwende also keine einfach branchenspezifischen Textbausteine, sondern stelle deine einzigartigen Kompetenzen durch eine ebensolche Sprache heraus.

Die Notenskala im Arbeitszeugnis

  • Note 1: Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus

  • Note 2: Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit aus

  • Note 3: Er führte alle Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit aus

  • Note 4: Er führte alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit aus

  • Note 5: Er führte alle Aufgaben im Allgemeinen zu unserer Zufriedenheit aus

Anhand dieser Aufzählung erkennst du, wie eng “gut” und “schlecht” bei Arbeitszeugnissen beieinander liegen. Bei deinen Formulierungen musst du also stets sehr aufmerksam sein, um auch die leiseste negative Konnotation zu vermeiden.

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